From Ecuador with Love
Die Protagonistin dieses Kurzfilms wird gezupft, geschlagen, gehäutet und verladen. Wo ihre Schönheit für Liebesbeweise herhält, wird uns eine andere Perspektive auf ein vielfältig genutztes Symbol eröffnet. So simpel wie genial verfolgt dieser herausragend fotografierte Kurzfilm den Weg der Rose als Konsumgut. Die beobachtende dokumentarische Form entscheidet sich bewusst gegen ein Voice-Over, eröffnet uns dadurch einen Denkraum: Sind es doch die Frauen selbst, die sich hier um die Rosen kümmern, sie herrichten, um schlussendlich in einer Geschenkbox zu landen. Wer schenkt hier also wem, was? Konservierte Liebesbekundungen für diejenigen, die unsichtbare Arbeit dahinter verrichten, wenn die Rosen FROM ECUADOR WITH LOVE in die westliche Welt geschickt werden. In seiner dokumentarischen Entschiedenheit und unprätentiösen Annäherung an Arbeitsprozesse fällt vor allem die fein gearbeitete Bild- und Tonmontage auf, bei der jeder Schnitt, der an den Stielen ansetzt, spürbar wird. Dabei erscheint auch jede Entscheidung für Bildausschnitte bewusst zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem zu changieren. Bei aller gesellschaftspolitischen Relevanz ist dieser neunminütige Film vor allem eines: Ein Liebesbeweis an die Form des Kinos. Ein Kino, das Perspektiven wechseln und sichtbar machen kann.
Der ZF-Kurzfilmpreis 2026 geht an Jonathan Brunner für FROM ECUADOR WITH LOVE.
So ist das Leben und nicht anders
Gesichter zerfließen, Schnecken ziehen sich durch die aufgeteilten Möglichkeitsfenster unserer Biografien. In einer Zeit in der wir dringend Verbindungen und Gemeinschaft zwischen den Generationen brauchen, ist dieser Film eine Entdeckung. Er schafft ein Gesamtkunstwerk aus Animationen und der dokumentarischen Form, bleibt dabei rhythmisch und audiovisuell scharfsinnig. Während wir Frau Miko folgen, streifen wir Fragen von Vergänglichkeit und schauen Erinnerungen im Augenblick ihres Zerfallens zu. Bei allem schwingt eine lebensbejahende Melodie mit und öffnet sich ein Raum für Empathie, der mit uns bleibt und uns umhüllt wie ein Nerzmantel, der uns daran erinnert: So ist das Leben und nicht anders.
Die Lobende Erwähnung geht an Lenia Friedrich für SO IST DAS LEBEN UND NICHT ANDERS.