Die Arbeit von Jonas Englert wird ermöglicht durch RE-SEARCH. Das ZF Forschungsstipendium 2026
Jonas Englert hat 2026 RE-SEARCH. Das ZF-Forschungsstipendium erhalten. Das Förderprogramm der ZF Kunststiftung ist mit 30.000 Euro dotiert und ermöglicht dem Künstler eine Arbeit für die Ausstellung Gefühlte Wahrheiten. Zeppeline und Nationalsozialismus zu entwickeln. In Auseinandersetzung mit dem Archiv und der Sammlung des Zeppelin Museums wird eine mehrkanalige Videoarbeit entstehen, eine Collage heterogener Bild- und Filmmaterialien.
Wie wurde das Luftschiff im Nationalsozialismus als wirkmächtiges Bild konstruiert und wie wirkt dieses bis heute im kollektiven Gedächtnis fort? Diesen und weiteren Fragen widmet sich Jonas Englert in seiner neuen Arbeit. Dabei betrachtet er den Zeppelin nicht primär als historisch-technisches Objekt, sondern als Bild und Projektionsfläche kollektiver Vorstellungen, Affekte und Narrative. Über Generationen hinweg haben sich im Bild des Zeppelins Vorstellungen von Nation, technischer Überlegenheit, Männlichkeit, Expansion und Personenkult verdichtet. Diese Aufladungen machten das Motiv früh zu einem wirkungsvollen Instrument politischer Inszenierung und Propaganda – im Kaiserreich, in der Weimarer Republik und insbesondere im Nationalsozialismus. Auch nationalsozialistische Ideologie schreibt sich bereits lange vor Hitlers Machtergreifung in die Bildwirkung des Zeppelins ein und wirkt bis in die Gegenwart fort.
Englerts Arbeit versteht sich nicht als distanzierende Rückschau, die Faschismus als abgeschlossenes historisches Phänomen behandelt, sondern richtet den Blick auch auf die Gegenwart. Sie fragt nach der Fortdauer affektiver Bilder und internalisierter Vorstellungen von Nation, Männlichkeit, Macht und Allmacht – auch dort, wo sie sich jenseits expliziter Symbolik fortschreiben. Englert geht es darum, Bilder wirken zu lassen – und sie im nächsten Moment zu stören: durch Re-Kontextualisierung, Kontrastierung und Überlagerung. So lässt der Künstler aus Frankfurt am Main einen offenen Denk- und Bildraum entstehen, der dazu einlädt, das scheinbar Evidente als gemacht zu erkennen und jene „gefühlten Wahrheiten“ zu hinterfragen, die politische Wirksamkeit entfalten.
Die Videoarbeit von Jonas Englert entsteht im engen Dialog mit dem Archiv des Zeppelin Museums und im Rahmen der Ausstellung Gefühlte Wahrheiten. Zeppeline und Nationalsozialismus, die erstmals das Verhältnis von Zeppelin und NS-Staat aufarbeitet. „Gefühlte Wahrheiten“ als subjektive, emotionalisierte Annahmen bestimmen bis heute das Bild der Zeppeline als nostalgisch verklärte, positive Technik. Aber die Zeppeline und die Menschen, die sie bauten und betrieben, waren ab 1933 in den NS-Staat und seine propagandistische Selbstdarstellung eingebunden. Die Ausstellung versteht sich als Teil einer historischen Bildungsarbeit und zieht aktuelle Parallelen zu Massenerlebnissen oder der gezielten Beeinflussung über moderne Medien. Das Museum möchte so der Bedrohung unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung begegnen.
Die Ausstellung Gefühlte Wahrheiten. Zeppeline und Nationalsozialismus wird am 21.05.2026 um 18 Uhr feierlich eröffnet und ist vom 22.05.2026 – 04.04.2027 im Zeppelin Museum Friedrichshafen zu sehen.
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