RE-SEARCH, das neue ZF Forschungsstipendium der ZF Kunststiftung, geht 2025 an Christelle Oyiri
Die ZF Kunststiftung wechselt 2025 – anlässlich ihres 35-jährigen Bestehens – vom Residenzstipendium zum ZF-Forschungsstipendium für Bildende Künstler:innen.
RE-SEARCH. Das ZF‑Forschungsstipendium ist ein neues mehrjähriges Förderprogramm der ZF Kunststiftung. Es unterstützt explizit die Arbeit des Zeppelin Museums Friedrichshafen. Das künstlerische Forschungsprojekt RE-SEARCH ist mit 30.000 Euro pro Jahr dotiert und ermöglicht einer/m zeitgenössischen Künstler:in die Entwicklung und Produktion innovativer Kunstwerke in engem Dialog mit dem Zeppelin-Archiv oder den Sammlungen des Zeppelin Museums. Ziel ist die Entwicklung von orts- und kontextspezifischen Arbeiten, die die Sammlungsbestände des Museums in neue Deutungszusammenhänge stellen. Das neue ZF-Forschungsstipendium ersetzt das seit 1996 bestehende Residenzstipendium der ZF Kunststiftung für Bildende Künstler:innen.
Die ZF Kunststiftung wurde 1990 als Stiftung bürgerlichen Rechtes gegründet. Stiftungszweck ist die Förderung von Kunst und Kultur. Die Fördermittel generieren sich ausschließlich aus den Erträgen des Stiftungskapitals und müssen zeitnah zur Erfüllung des Stiftungszwecks verwendet werden. Das ermöglicht eine nachhaltige Kunst- und Kulturförderung auch in schwierigen Zeiten. Förderschwerpunkte sind das ZF-Stipendium für Bildende Künstler:innen, der ZF-Musikpreis und der ZF-Kurzfilmpreis. Die Förderung Bildender Künstler:innen durch ein Stipendium war bereits bei der Gründung der Stiftung vor 35 Jahren angedacht: Künstler:innen tragen zur Vielfalt und zum Reichtum unserer Kultur bei, sie experimentieren, reflektieren und hinterfragen gesellschaftliche Prozesse. Künstlerische Position tragen zur Erweiterung des kulturellen Diskurses bei und fördern das Verständnis und die Wertschätzung für unterschiedliche Perspektiven und Lebensrealitäten.
Das Zeppelin Museum Friedrichshafen und die ZF Kunststiftung sind seit fast 30 Jahren eng verbunden. Die Kunst des Fliegens, die Eröffnungsausstellung des Museums unterstützte die ZF Kunststiftung 1996 mit 570.000 DM, umgerechnet mehr als 291.000 Euro. Gleichzeitig konnte die Stiftung passenden Räume in der dritten und vierten Etage im Museumsturm mieten und das Residenzstipendium der ZF Kunststiftung im ZF-Turmatelier erstmals vergeben. Das ZF‑Stipendium hat Bildenden Künstler:innen Freiräume und Ressourcen geboten, um ihre künstlerischen Positionen weiterzuentwickeln. Die Kombination aus intensiver kreativer Arbeit und musealer Ausstellung, begleitet von einem Katalog, haben nachhaltig Resonanz geschaffen und zur künstlerischen Weiterentwicklung beigetragen.
43 Künstler:innen haben von 1996 bis 2024 als Artist in Residence der ZF Kunststiftung im ZF‑Turmatelier in Friedrichshafen gelebt und mit unterschiedlichen Medien gearbeitet: Malerei, Zeichnung, Fotografie, Objekt und Skulptur, Installation, Performance und Aktion im öffentlichen Raum – die Vielfalt der Kunstgattungen ist beeindruckend. Form und Farbe, Fakt, Fiktion und Imagination, Grenzen und Identität, Umwelt und Verantwortung oder die Auseinandersetzung mit Nationalsozialismus am Bodensee – die Themen, denen sich die 43 Artists in Residence im ZF‑Turmatelier in Friedrichshafen gewidmet haben, sind vielfältig und nach wie vor von großer gesellschaftlicher Relevanz.
Neue Formen der Zusammenarbeit, interdisziplinäre Ansätze, Digitalisierung und Globalisierung verändern die künstlerische Praxis und die Bedürfnisse der Künstler:innen. Nach fast 30 Jahren Residency erschien ein Update, eine Neuausrichtung des Stipendienprogramms sinnvoll. 35 Jahre ZF Kunststiftung waren ein guter Anlass für einen Wechsel. RE‑SEARCH fördert die künstlerische Auseinandersetzung mit Archiven und Sammlungen des Zeppelin Museums. Künstler:innen können in der Auseinandersetzung, im Dialog mit Archiven persönliche und kollektive Geschichte(n) erkunden, neue Narrative entwickeln und historische Ereignisse in neuen Kontexten interpretieren.
Das erste ZF‑Forschungsstipendium: RE-SEARCH geht 2025 an Christelle Oyiri. Es ermöglicht der französischen Künstlerin in Auseinandersetzung mit dem Zeppelin Archiv die Arbeit Sky is the Limit für die Ausstellung Bild und Macht. Zeppelin-Fotografie im Fokus zu entwickeln. In Sky is the Limit untersucht die Künstlerin anhand der Hindenburg Explosion (1937) und den Anschlägen vom 11. September (2001) wie Information und Spektakel heute untrennbar verwoben sind. Für die Künstlerin stehen die Luftfahrtkatastrophen sinnbildlich für eine Zeit emotional aufgeladener Bildwelten, in denen die Grenzen zwischen Realität und medialer Inszenierung verschwimmen.
Oyiris vielschichtige Arbeit hinterfragt, wie diese Mediensymbole unsere Geschichtsschreibung und Selbstwahrnehmung prägen – und enthüllt darin verborgene Machtfantasien, Hybris und imperialistische Ambitionen. Ihre kaleidoskopische Videoinstallation kombiniert Archivmaterial mit einer stilisierten Bildsprache, inspiriert von dem amerikanischen Filmemacher Brian De Palma. Dabei verbindet sie die Katastrophen nicht nur auf ästhetisch Weise, sondern auch philosophisch: Jede verkörpert den Moment technologischer Ambition, der in einer Tragödie mündet – und den schmalen Grat zwischen Fortschritt und Hybris offenbart.
Die Arbeit Sky is the Limit von Christelle Oyiri ist eines der eigens für die Ausstellung Bild und Macht. Zeppelin-Fotografie im Fokus konzipierten Werke international tätiger, zeitgenössischer Künstler:innen. Sie entstehen im engen Dialog mit der einzigartigen Fotosammlung des Zeppelin Museums und stellen sie aus einer nicht-westlichen, queer-feministischen Perspektive in neue Deutungsbezüge. Angesichts der heutigen digitalen Bilderflut stellt die Ausstellung, die hochaktuelle Frage nach der Macht der Bilder, ihrer Instrumentalisierung und ihrem Wahrheitsgehalt.
Weitere Informationen:
Pressemeldung Zeppelin Museum Friedrichshafen
Bild und Macht: Christelle Oyiri
Pressekontakt
ZF KUNSTSTIFTUNG
Regina Michel
D-88038 Friedrichshafen
T +49 7541 77-7114
xhafgfgvsghat@ms.pbz