4. März 2023
Begeistert hat uns der erfrischend andere Blick auf die großen Szenen des Lebens – eine Krebsdiagnose, ein Coming Out in der Ehe, und ein Kind, das in die Welt zieht, allesamt Standartsituationen des Kinos, werden hier originell und unterhaltsam, aber trotzdem immer wahrhaftig erzählt. Tragische Situationen werden nicht mit Schock oder Entsetzen, sondern mit Leichtigkeit eingefangen. Peinliche oder mit Scham behaftete Momente werden nie ins Lächerliche gezogen, sondern mit Menschlichkeit und entwaffnendem Humor gedreht. Obwohl die Handlungsstränge sich immer bizarrer zuspitzen, bleiben sie im echten Leben geerdet und auf sympathische Weise glaubhaft.
In einer scheinbar einfachen Geschichte gelingt es dem Regisseur, die toxische Sprachlosigkeit in Familie und Gesellschaft komplex aufs Korn zu nehmen, und den Druck, Krankheiten, Neigungen und Ängste zu verheimlichen, um die Familienidylle nach außen aufrecht zu erhalten: Alles könnte so einfach sein, wenn Menschen pragmatisch und humorvoll Klartext reden würden. Mit einer feinen Balance aus Präzision und Wahrhaftigkeit hat uns das komplette Schauspielensemble bis in die kleinste Nebenrolle berührt.
Der mit 15.000 Euro dotierte ZF-Kurzfilmpreis geht in diesem Jahr an „Nackte Männer im Wald“ von Paul Ploberger.
Die Preisjury der Filmtage Friedrichshafen 2023: Anke Sterneborg, Daniel Hadenius-Ebner, Marcus H. Rosenmüller, Regina Michel und Tomasz Robak.