Jonathan Brunner gewinnt mit From Ecuador With Love den ZF-Kurzfilmpreis 2026
Für seinen neunminütigen Dokumentarfilm From Ecuador With Love erhält Jonathan Brunner den mit 15.000 Euro dotierten ZF‑Kurzfilmpreis. Der Publikumspreis der ZF Kunststiftung in Höhe von 1.000 Euro geht an Masha Mollenhauer für den Kurzfilm The Good Woman.
Am vergangenen Wochenende fanden die 17. Filmtage Friedrichshafen – Jetzt oder Nie statt, veranstaltet vom Kulturbüro Friedrichshafen. Höhepunkt des Filmfestivals war der Wettbewerb um den ZF‑Kurzfilmpreis und den Publikumspreis der ZF Kunststiftung. Zwölf sehr unterschiedliche Kurzfilme junger Regisseur:innen standen im Wettbewerb: von Animationsfilmen über Dokumentarfilme bis hin zum dreißigminütigen Dramen war thematisch und filmisch wieder eine große Vielfalt vertreten. Bis spät in die Nacht genoss das Publikum am Samstag in der besonderen Atmosphäre im Kiesel das abwechslungsreiche Wettbewerbsprogramm und fieberte gespannt der Juryentscheidung, aber auch der Auszählung des Publikumspreises entgegen. Der Kurzfilm The Good Woman von Masha Mollenhauer und Team, in dem die Regisseur:in das restriktive Abtreibungsgesetz in Polen sowie gesellschaftlichen und familiären Druck thematisiert, war der klare Publikumsfavorit und erhielt den Publikumspreis der ZF Kunststiftung in Höhe von 1.000 Euro.
Gewinner des ZF-Kurzfilmpreises 2026 in Höhe von 15.000 Euro ist der deutsche Regisseur Jonathan Brunner. Sein kurzer Dokumentarfilm From Ecuador With Love beobachtet aus der Perspektive der Pflanzen den Produktionsprozess auf einer Rosenfarm in Ecuador. Dicht gepresst und nach Makellosigkeit sortiert, werden die Rosen für den Transport in den globalen Norden vorbereitet. Doch nicht nur die Rosen, auch die Arbeiter:innen sind Teil eines Systems, so die Synopsis.
Mit seinem herausragend fotografierten Kurzfilm From Ecuador With Love beeindruckte Jonathan Brunner die Jury: „Die Protagonistin dieses Kurzfilms wird gezupft, geschlagen, gehäutet und verladen. Wo ihre Schönheit für Liebesbeweise herhält, wird uns eine andere Perspektive auf ein vielfältig genutztes Symbol eröffnet. So simpel wie genial verfolgt dieser herausragend fotografierte Kurzfilm den Weg der Rose als Konsumgut. Die beobachtende dokumentarische Form entscheidet sich bewusst gegen ein Voice-Over, eröffnet uns dadurch einen Denkraum: Sind es doch die Frauen selbst, die sich hier um die Rosen kümmern, sie herrichten, um schlussendlich in einer Geschenkbox zu landen. Wer schenkt hier also wem, was? Konservierte Liebesbekundungen für diejenigen, die unsichtbare Arbeit dahinter verrichten, wenn die Rosen FROM ECUADOR WITH LOVE in die westliche Welt geschickt werden. In seiner dokumentarischen Entschiedenheit und unprätentiösen Annäherung an Arbeitsprozesse fällt vor allem die fein gearbeitete Bild- und Tonmontage auf, bei der jeder Schnitt, der an den Stielen ansetzt, spürbar wird. Dabei erscheint auch jede Entscheidung für Bildausschnitte bewusst zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem zu changieren. Bei aller gesellschaftspolitischen Relevanz ist dieser neunminütige Film vor allem eines: Ein Liebesbeweis an die Form des Kinos. Ein Kino, das Perspektiven wechseln und sichtbar machen kann,“ so die Jurybegründung.
Mitglieder der diesjährigen Preisjury waren Vivien Buchhorn, Kuratorin, Filmhistorikerin und Leiterin Flensburger Kurzfilmtage; Alina Cyranek, Autorin, Regisseurin und Produzentin; Dieter Krauß, Gründer „guckloch“ Villingen-Schwenningen und Vorstand der AG Filmfestival; Lukas März, Autor und Regisseur sowie Regina Michel, Geschäftsführerin und Kuratorin der ZF Kunststiftung.
Eine Lobende Erwähnung ging an Lenia Friedrich für So ist das Leben und nicht anders: „Gesichter zerfließen, Schnecken ziehen sich durch die aufgeteilten Möglichkeitsfenster unserer Biografien. In einer Zeit, in der wir dringend Verbindungen und Gemeinschaft zwischen den Generationen brauchen, ist dieser Film eine Entdeckung. Er schafft ein Gesamtkunstwerk aus Animationen und der dokumentarischen Form, bleibt dabei rhythmisch und audiovisuell scharfsinnig. Während wir Frau Miko folgen, streifen wir Fragen von Vergänglichkeit und schauen Erinnerungen im Augenblick ihres Zerfallens zu. Bei allem schwingt eine lebensbejahende Melodie mit und öffnet sich ein Raum für Empathie, der mit uns bleibt und uns umhüllt wie ein Nerzmantel, der uns daran erinnert: So ist das Leben und nicht anders.“
Der ZF-Kurzfilmpreis zeichnet nicht nur die Filmschaffenden aus, sondern fördert auch die Gattung Kurzfilm: „Das Preisgeld ist zweckgebunden und soll für eine neue Kurzfilmproduktion verwendet werden,“ so Regina Michel. Das weiß Jonathan Brunner zu schätzen, als er sich für die Auszeichnung und Wertschätzung seiner Arbeit bedankt: „Solche Preise spenden wichtige Energie, um weiter am Ball des Filmemachens zu bleiben – besonders, wenn dadurch auch die Finanzierung des nächsten Films teilweise schon gedeckt ist. Eine Förderung in dieser Höhe zu bekommen, ist ein großes Privileg!“
Jonathan Brunner (*1996) ist Regisseur für Dokumentar- und Werbefilme. Nach einem Bachelorabschluss in Mediendesign an der Hochschule Mainz studiert Jonathan seit 2020 Regie an der Filmakademie Baden-Württemberg. Sein Film „Border Conversations“ wurde unter anderem bei der DOK Leipzig und dem Dok.fest München ausgezeichnet und war auf der Shortlist des Deutschen Kurzfilmpreises. Aktuell arbeitet Jonathan an seinem ersten abendfüllenden Dokumentarfilm. Bei den 17. Filmtagen in Friedrichshafen gewann er mit seinem Kurzdokumentarfilm From Ecuador With Love den ZF-Kurzfilmpreis 2026.
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