12/2010 Bildende Kunst

Die Stipendien der ZF Kunststiftung 2011 gehen an Nevin Aladag und Stefan Burger

Seitenverhältnis
Seitenverhältnis
Seitenverhältnis
Seitenverhältnis

Die Kunststiftung der ZF Friedrichshafen AG vergibt pro Jahr zwei Stipendien für bildende Künstlerinnen und Künstler. Die Stipendien 2011 gehen an Nevin Aladag, Berlin, und Stefan Burger, Zürich.

Im 1. Halbjahr 2011 wird die Berliner Künstlerin Nevin Aladag im ZF-Turmatelier in Friedrichshafen leben und arbeiten. Die 1972 in Van in der Türkei geborene Künstlerin hat an der Akademie der Bildenden Künste München studiert. Sie hatte u.a. Stipendien des Kunstfonds Bonn, der Künstlerstätte Schloß Bleckede und des Künstlerhaus Bethanien inne und wurde 2004 mit dem George Maciunas Förderpreis ausgezeichnet.

Im Mittelpunkt der Videos, Installationen und Performances von Nevin Aladag steht die Frage nach Identität und der selbst bestimmten Identitätsbildung. Ihre künstlerische Praxis argumentiert nicht aus der Position des Verlusts der kulturellen Identität in der Migration und den Diaspora. Vielmehr bezieht sie aus dem Aufeinandertreffen dieser geografischen und kulturellen Räume ihre Inhalte und Zusammenhänge. Nevin Aladag setzt sich darüber hinaus mit den Bedingungen von Kunstproduktion und deren Präsentation auseinander. So gründete die Künstlerin 1998 das Café Helga und 1999 die Galerie Goldkauf in München als Räume künstlerischer Präsentation und als Interaktionsplattform. Beim 21. Kunst-Freitag wird Nevin Aladag eine Auswahl ihrer Videos und eine Dokumentation ihrer Installationen zeigen.

Stefan Burger fragt in seinen Fotografien, Videos und Installationen nach dem Verhältnis von Produzent, Kunstwerk, Betrachter und Institution. Im Zentrum steht das Interesse an den Mechanismen des Wahrnehmens, Produzierens und Betreibens. Burger kratzt an der Hochglanzoberfläche, lenkt den Blick auf das Halbfertige, das Davor und Danach, das Verlassene und die Leere. Der Künstler, der in Zürich lebt und arbeitet, untersucht immer wieder auch „Nebenschauplätze“, beschäftigt sich mit dem Prozess der Fotoentwicklung und fotografischen Phänomenen. Die Fotografien und Installationen von Stefan Burger sind raumgreifende, performative Denkspiele mit unvorhersehbarem, heiterem, manchmal auch hintergründigem Ausgang, die den Kunstkontext als erweiterten Raum einbeziehen.

Die beiden Arbeitsstipendien der ZF Kunststiftung laufen über einen Zeitraum von jeweils sechs Monaten und sind mit monatlich 1.100 Euro dotiert. Die ZF Kunst-stiftung stellt den Künstlern zudem ein Atelier und eine Wohnung im Turm des Zeppelin Museums Friedrichshafen zur Verfügung. Das Stipendium wird durch Öffentlichkeitsarbeit begleitet und mit einer Ausstellung mit Katalog im Zeppelin Museum Friedrichshafen abgeschlossen.

Das Stipendium 2011 war zum dritten Mal nicht öffentlich ausgeschrieben. Um den einzelnen künstlerischen Positionen besser gerecht werden zu können, hat die ZF Kunststiftung 2008 auf ein Vorschlagssystem umgestellt und sechs unabhängige Experten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gebeten, Künstlerinnen und Künstler zu nominieren. Die externen Experten wechseln alle zwei Jahre. Die externen Experten, die Vorschläge für 2011 abgegeben haben, waren: Gabriele Horn, Direktorin der Kunstwerke Berlin; Thomas Trummer, Leiter Kunst & Kultur der Siemensstiftung, München; Dr. Günther Dankl, Leiter der Galerie Neuer Kunst, Tiroler Landesmuseen, Innsbruck; Dr. Rudolf Sagmeister, Kurator des Kunsthaus Bregenz; Heike Munder, Direktorin des Migros Museum, Zürich und Marianne Eigenheer, Künstlerin aus Basel.

Die externen Experten hatten 20 KünstlerInnen für das Stipendium 2011 nominiert, von denen sich 17 beworben haben. Aus den BewerberInnen wählte eine fünfköpfigen Jury, der Prof. Dr. Götz Adriani, Direktor Kunsthalle Tübingen; Dr. Wolfgang Meighörner, Direktor der Landesmuseen Tirol; Dr. Ursula Zeller, Direktorin des Zeppelin Museums Friedrichshafen; Matthias Lenz, Vorstand der ZF Kunststiftung; sowie Regina Michel, Geschäftsführerin der ZF Kunststiftung angehören, die beiden Stipendiaten für das Jahr 2011.